Marktfrühschoppen 1997
[Der 1997er O-Ton von OB Dietrich Möller]

Rückblick: Marktfrühschoppen 1997

Kritische Gruppen im Kampf gegen die Erbschleicher der Revolution. Wenn es stimmt was die aufgeklärte Geschichtsschreibung behauptet, so geht es seit Parsifal in der deutschen Geschichte um tumbe Toren, die in Abenteuer hineinstolpern. Eins liegt zum greifen nahe. Flugis! Am 6. Juli 1997 fand nach langem hin und her doch der Marburger Marktfrühschoppen statt. So wurde dieses Bürger- und Studentenfest nicht wie alle die Jahre zuvor in einer kommersähnlichen Art zelebriert, sondern es wurde ein Multikultifest mit Tanzgruppen aus Andalusien und Trommelgruppen aus Angola. Die Korporationen wurden nicht eingeladen, einige Häuser in der Nacht mit Farbbeuteln und Pflastersteinen verschönert und die "Burschis" waren nach Meinung der "Kommilitonen" auch allerhöchstens geduldet. Die Eröffnungsrede hielt Herr Matin Baraki, Vorsitzender des Marburger Ausländer-Beirates und Vertreter der Ausländerinteressen. Aber von seiner Rede bekam man nicht viel mit, weil die "Kommilitonen" meinten, just in diesem Moment mit Trillerpfeifen und Plakaten gewappnet über den Marktplatz zu marschieren; daß der Augenblick vorherbestimmt war, ist zu bezweifeln. Auf den Plakaten standen solche intelligenten Sprüche wie "Deutsche Verbindungen sind deutsche Traditionen", was auf Seiten der Korporationen zu Beifallsbekundungen führte, worauf dann die Plakate zusammen gepackt und dem Marktplatz der Rücken gekehrt wurde. Sonst war aber alles beim Alten, man trank mit seinen Alten Herren, die trotz anders lautenden Meldungen doch den Weg nach Marburg fanden, und Kommilitonen ein paar Biere, führte interkorporative Gespräche und fühlte sich im Kreise der Bürger recht wohl. Als kleines Zugeständnis von seiten des Bürgermeisters wurde am Ende des Marktfrühschoppens noch "Alt Marburg, wie bin ich Dir gut" angestimmt. Also, alles in allen war dieser Tag trotz vorheriger Bedenken ein gelungener und erquicklicher Tag.

Toleranz bis zur Selbstaufgabe?!

Alle den Marktfrühschoppen betreffende Pamphlete und das komplette (!) "Info"-Material des Antifa Ratschlags und des Projektes Konservatismus und Wissenschaft wurden über Nacht in der Reitgasse gelagert. Da wo sie hingehören, genau vor der Haustür der Inaktiven Stumpf und Berninghaus. Nachdem wir lange überlegten, was wir mit den Materialien machen könnten, der Phantasie waren da nicht allzu enge Grenzen gesetzt, entschloß man sich nach langer Beratung, nur einige Exemplare mitzunehmen und nicht alle unbrauchbar zu machen oder nach unserem Gusto umzugestalten. Auf diesen einigen gelben Hetzzetteln wider die Toleranz, druckten wir fett unseren Zirkel und einige Bewertungen der aufklärerischen Arbeit, welche wir durch unsere Zwangsbeiträge an den AStA (Das heißt Allgemeiner Studenten Ausschuß - Ausschuß im Sinne von Ausschußware?!?!) mitfinanzieren. Mit diesem Alternativflugblatt ging ich dann zu einer guten "Bekannten" aus der Philologischen Fakultät, Frau Eva Gottschalt, PDS / Marburger Linke. Diese begrüßte ich mit den Worten,

Hallo Eva, das war aber nicht ganz so clever, ausgerechnet Euer gesamtes Material zwei Corpsstudenten vor die Bude zu stellen", es folgte das Präsentieren des Zettels, "guck’ mal, dies hätten wir mit all’ Euren Flugblätter machen können, doch im Gegensatz zu Euch predigen wir nicht nur Toleranz, sondern leben sie auch!". Sie war verblüfft, stammelte etwas wie "Ein Freund hat uns gesagt, der Ort sei sicher (sic!), warum habt Ihr nichts gemacht...danke...." Meine Reaktion war Grinsen, Erhobenheit, eine angedeute Verbeugung und eine siegesbewußte Rückkehr zum Bier aus Plastikbechern...

Toleranz heißt Dummheit heißt Toleranz...?!

Heiko Schomberg.